Diplomacy-Partie auf Hillegossen-ONLINE.de vom 9. März bis 22. Juni 2004

Endstand der Partie - Statement des Spielleiters - EOG-Statements
Die Historie der Partie ist aufgrund der langen Ladezeit (~ 1,7 MB an Karten) ausgelagert. Zur Seite geht es hier!


Endsituation Herbst 1912

Rang Land VZ
1. Osmanisches Reich 20
2. England 8
3. Deutsches Reich 4
4. Frankreich 1
4. Russland 1
6. Italien 1908 eliminiert
7.. Österreich-Ungarn 1906 eliminiert

Zwölf Jahre tobte ein unerbittlicher Krieg  um Europa. Sieben Großmächte griffen nach der absoluten Hegemonie. Zwei blieben auf der Strecke, weitere zwei versanken in der Bedeutungslosigkeit und wiederum weitere zwei scheiterten schließlich an der Macht, die jetzt unangefochten über den Kontinent herrscht, schaltet und waltet. Das Osmanische Reich mit Sultan Heinz Achmed setzte sich nach drei Monaten Echtzeit durch und beendete das Spiel mit einem Solo-Sieg - ein Ergebnis, das es noch nie bei einer Hillegossen-ONLINE.de Partie gegeben hat.

Dies lässt seitens des Spielleiters zwei Schlüsse zu: 1.) Die Spieler waren allesamt mit dem gebührenden Ernst bei der Sache, gaben vergleichsweise zuverlässig ihre Züge ab und blieben auch bis zum bitteren oder freudigen Ende treu. 2.) Es gab - obwohl die meisten Spieler sich persönlich kannten - keine Off-Board-Schlägereien. Das Klima blieb trotz des für das Spiel erforderlichen Lug und Trug resp. Mord und Totschlag friedlich. Dies ist besonders deshalb erfreulich, weil die ersten Partien unter eben solchen Querelen fern der Diplomatie arg gelitten hatten.

Mit anderen Worten hat sich die Truppe wacker geschlagen und für eine weitere Partie qualifiziert. Diese wird bei Zeiten angerollt, wenn dieser Krieg gesackt und unter dem Mäntelchen der Geschichte verschwunden ist. Das hat auch durchaus eigensinnige Gründe. Denn wenn man bedenkt, dass man für eine Auswertung mindestens eine halbe Stunde, schlimmstenfalls sogar anderthalb braucht, ist eine Diplomacy-Partie für einen Spielleiter (der gleichzeitig mangels Masse auch noch Spieler ist) eine nicht zu unterschätzende zeitliche Belastung. 

Daher: Danke für das Vierteljahr voll des Ränkeschmiedens - bis zur nächsten Partie Diplomacy!


Mein erster Gedanke war den „Turkish Hedgehog“ zu spielen. Leider verliefen die Verhandlungen mit Österreich-Ungarn mehr als schleppend. Da die Kooperation mit Österreich aber für diese Taktik zwingend notwendig ist, habe ich mich für die traditionelle Eröffnung entschieden. Die Besetzung des Schwarzen Meers im Herbst 1901 war für meine Eroberungspläne enorm wichtig.

Österreich benötigte nach dem Blitzangriff des Italieners dringend einen freien Rücken für die Gegenoffensive. Wir vereinbarten einen Nichtangriffspakt und die gerechte Aufteilung des Balkans. So konnte ich mit aller Macht gegen Russland ziehen. Durch Verhandlungen mit Deutschland und England  konnte ich dafür sorgen, dass der Zar nach den ersten beiden Runden keinen Aufbau bekam.

Das Jahr 1902 sollte eine gelungene Fortsetzung des Vorjahres werden. Doch Österreich verhinderte meinen Einmarsch in Sevastopol. Ein völlig irrsinniger Seitenwechsel, denn Russland kämpfte im Norden und Süden um sein Überleben und war damit kein brauchbarer Verbündeter. Italien war immer noch eine Bedrohung. Durch den Bruch des Nichtangriffspakts drohte der K&K Monarchie nun einen Zweifrontenkrieg, wofür sie zu diesem Zeitpunkt nicht gerüstet war. Meiner Meinung nach wurde Javier-Maria hierzu von einer der westlichen Mächte (Frankreich?) überredet, die ein starkes Osmanisches Reich verhindern wollten.

1903 war das Jahr der Diplomatie. Frankreich hatte ich für mein Scheitern in Sevastopol verantwortlich gemacht. Im Westen stürmte eine französisch-englische Allianz gegen ein isoliertes Deutschland an. Ich beschloss, dass der aufstrebende Franzose gestoppt werden müsse. Durch Verhandlungen konnte ich England, Deutschland und Italien zu einem Bündnis gegen Frankreich bewegen. Österreich täuschte ich vor weiterhin ein treuer Waffenbruder zu sein um dann ungehindert mit voller Starke auf dem Balkan vor zu rücken. Der Krieg zwischen Frankreich und Deutschland ging über das Spiel hinaus. Die Kaiserin kämpfte gegen den Empereur ohne Rücksicht auf Verluste. Dies führte dazu, dass Österreich - im Sinne Berlins - mit seiner Flott den Franzosen in Tunesien blockte, dabei aber Griechenland an mich verlor. Der zweite folgenschwere Fehler aus Wien, denn damit war das Todesurteil für Österreich unterschrieben.

Italien verpasste im Jahre 1904 wiederholt den Sprung zur Großmacht. Frankreich wurde von England und Deutschland in die Defensive gedrängt. Meine Offensiven gegen Russland und Österreich verliefen planmäßig. Der über die Partie hinausgehende Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland trieb mir den Franzosen in die Arme. Die Allianz aus England und Deutschland war damit der finale Gegner des Osmanischen Reichs. England und Deutschland waren 1905 nicht in der Lage den Franzosen das Genick zu brechen. Dies band Truppen der Allianz und verhinderte damit ein Vorrücken in Richtung Osten. Nach Friedensverhandlungen mit Russland nutze ich die Armee des Zaren um zu verhindern, dass Warschau in deutsche Hände fällt. In Zusammenarbeit mit Italien konnte ich weiter gegen Österreich vorrücken.

Österreich ereilte 1906 der verdiente Tod. Die Allianz schaffte es endlich Paris zu erobern. Dabei ging wertvolle Zeit verloren, denn ich versetze den völlig überraschten Italiener mit meiner Offensive einen Schlag von dem er sich nicht erholen würde. Die Allianz war nicht in der Lage meinem Vormarsch irgend etwas entgegen zu setzen. Erst im Jahr 1907 stoßen englische Verbände ins Mittelmeer vor. Meine Flotte konnte dies nicht unterbinden, da sie mit der endgültigen Eroberung Italiens beschäftigt war. Um ein weiteres Eindringen der englischen Flotte zu verhindern nutze ich die französische Flotte als Barriere. Dafür bekam der Empereur Tunesien als Exil angeboten.

Nach dem Ableben des Italieners im Jahre 1908 sah alles nach einer Pattsituation zwischen der Allianz und dem Osmanischen Reich aus. Frankreich und Russland spielten als osmanische Satellitenstaaten keine Rolle mehr. Im Mittelmeer benötigte meine Flotte Verstärkung, deren Eintreffen mehrere Runden dauern würde. Der Frontverlauf zwischen dem Deutschen Reich und dem osmanischen Gebiet konnte durch geschicktes Verteidigen der Allianz auf Dauer gehalten werden. Doch der Frontverlauf auf dem Kontinent wurde durch ungenaue Absprachen zwischen London und Paris brüchig. Durch die Vernichtung der englischen Armee im Baltikum bekamen meine Truppen ein entscheidendes Übergewicht. Im Verlauf der Jahre wurden mehrere deutsche Truppenteile aufgerieben. Diese konnten von der Kaiserin nicht ersetzen werden, da sie ihre Heimatversorgungszentren auf Grund der nahen Front verteidigt musste. Obwohl das Deutsche Reich 8 Versorgungszentren besaß, lag die Truppenstärke bei nur 5 Armeen. Die logische Konsequenz dieser Unterzahl war der Fall von München und Berlin. Auch im Mittelmeer konnte meine verstärkte Flotte einen Durchbruch erzielen, so dass meinem Sieg nichts mehr im Weg stand.


...gebe ich mal beizeiten mündlich ab. (Obwohl EOG so nach JL/ÜL und Sportjugendkacke klingt...) Jedenfalls war das alles Kacke wegen meines nicht immer funktionierenden Rechners... bzw. des Rechners meines Vaters... Aber letztendlich lag es nicht daran, wie das Spiel ausging. Ganz im Gegenteil - die Gründe dafür sind verschiedener Natur! Den Schuh der "verursachten" Niederlage (nicht den, des Manitu) muss aber auch ich mir anziehen, vielleicht nur in Größe 39, aber auch ich bin verschiedenen Fehleinschätzungen erliegen gewesen. Leider! Zudem haben diverse Mitspieler auch Fehler gemacht und so weiter und so fort. Deren mangelnder Enthusiasmus und Genauigkeit (ich denke da an den schlechtesten Italiener seit dem zweiten Weltkrieg: Andrea) führte dann zu Kettenreaktionen. Und nicht nur der Italiener...

Ich gratuliere aber auf jedem Fall dem ehrwürdigen Sultan Heinz Achmed und hoffe auf seine Gnade!

Und es hat ja auch sehr viel Spaß gemacht! Zumindest am Anfang!

MfG
Ethelwulf sagt: bis zum nächsten Mal alias Conny Dachs


Werter Spielleiter, liebe Mitspieler,

wir wurden hier alle um einen mehr oder minder längeren Kommentar gebeten und um den möchte ich mich nicht drücken.
Ich spiele erst das zweite Mal ein Online-Partie, die erste gestalte ich bis zum Ende des Spiels mit ;-)!

Wie allseits bekannt, haben GB und das Deutsch Reich sehr früh einen Stahlpakt abgeschlossen, da sich unsere Mitspieler nicht alle als kluge Strategen erwiesen. Zunächst sollte das befristet laufen, entwickelte sich dann aber zu einer notwendigen Einrichtung, um gegen den Osmanen (der faktisch keine Gegner, außer uns, hatte - diesen Satz bitte streichen!) bestehen zu können. Gerade weil man hier unerfahrene und erfahrene Spieler gemischt hat, sollte man vielleicht wenigstens eine kurze Einführung ins Regelwerk geben. Das auf der Homepage ist nicht ausführlich genug. Ich persönlich war mir nie 100%ig sicher, nach welchen Regeln wir spielen und ob die, die ich bei lepanto.de z.B. finde, auch gelten?! Und bei einigen Mitspielern hatte ich den Eindruck bis zuletzt, dass sie die Regeln entweder nicht kannten, oder ignorieren wollten. 

Leider findet sich nicht die Masse an Spielern, um sie nach erfahren/unerfahren zu sortieren, aber vielleicht macht auch diese Mischung gerade den Reiz aus. Ein Neuling spielt selten nach Konvention, als das vielleicht ein erfahrener Hase täte. Es kann aber auch in die Hose gehen, in diesem Fall ist der Neuling hoffnungslos überfordert. Ich denke, gute und kommunikative Spieler machen eine gute Partie aus - dass sind nun mal oft unberechenbare Faktoren. Mit meinem Spielleiter war ich zufrieden und habe nicht an seiner Loyalität gezweifelt :-)! Ich kenne das Statement des Osmanen nicht. Vermutlich ist es länger. Nicht zwingend hilfreicher. Ich möchte schließen und freue mich auf die nächste Partie!

Busserl aus Berlin,
Kaiserin Feodora


Mon Dieu, was habe ich für einen Start hingelegt! Und meine Fresse, was wurde ich gleich darauf vermöbelt! Noch im Frühjahr 1903 stand Paris da wie eine Eins, dann aber hatte irgendjemand in einer Nacht- und Nebelaktion Beklopptenpulver über London verstreut. Zugegeben: Der Stab nach Brest war brillant. Ich war faktisch geliefert und bot dem King an, mit mir als Juniorpartner den Sieg nach Hause zu fahren. Eine todsichere Sache, niemand hätte sich zu diesem Zeitpunkt unseren zehn Einheiten in ihrer gebündelten Angriffsposition entgegenstellen können. Doch irgendwas muss den Kameraden dazu gebracht haben, bar jedes taktischen Verständnisses lieber seine Truppen hoffnungslos aufzuspalten, die französischen Filetstücke Deutschland zu überlassen und letztendlich vom Türken die Fresse voll zu kriegen. In die "Machen-wir's-dem-Juffen-leicht"-Bresche schlug im gleichen Moment auch die Deutsche hinein, indem sie die Nibelungentreue des Österreichers ausnutzte. Mit dem Block vor Tunis schwächte sie zwar meine Position, legte damit aber den Kopf ihres treuen Verbündeten faktisch unter den Krummsäbel. Denn so brach die Verteidigung in Budapest zusammen und Italien erfuhr eine unerwartete, wenngleich nur kurzfristige Stärkung. Zu unserem Freund von den Abruzzen muss ich glaube ich nicht viel sagen. So ein wirres Durcheinander habe ich bei noch keinem Spieler erlebt. Einmal hin, einmal her, dann mal gar nicht und so weiter. Oftmals vernahm ich nach der Auswertung ein brummendes Geräusch: Es war Macchiavelli, der im Grab rotierte.

Doch trotz meiner Niederlagen auf heimischem Boden kann ich mich letztendlich - wenn auch als Vasall des Sultans - zu den Gewinnern des Spiels zählen und mir wohl nicht zu unrecht den Sikke-i Cedid ans Revers heften. Denn nachdem für mich die Messe gesungen war, konnte ich nur noch als Handlanger und Wegbereiter funktionieren - was ich sicherlich nicht schlecht gemacht habe. Es war streckenweise befremdlich, wie die eiserne Allianz zwischen England und Deutschland versagte, mich aus Frankreich zu verjagen. Mit ein wenig mehr Konzentration oder etwas weniger Überheblichkeit wäre meine verzweifelte Abwehrschlacht schon deutlich früher als im Herbst 1907 beendet gewesen. So aber hielt ich die beiden irrsinnig lange auf, was der Sultan clever nutzte. Der Versuch von Ethelwulf, die Partie als Patt zu beenden, war daher eher lächerlich: Mit dem endgültigen Fall Italiens war der Kampf um die kontinentale Hegemonie gelaufen, einzig konzentrierte Angriffe der Allianz hätten noch was ausrichten können. Doch die versteifte sich auf Klein-Klein und richtete sich auf die Verteidigung Deutschlands ein - obwohl die Türken die Grenzen noch gar nicht erreicht hatten.

Sei es drum. Ich denke, dass Heinz-Achmed sicherlich von den vielen Newbies vor seiner Nase profitierte. Allein der Verlust des Schwarzen Meeres im ersten Jahr ist ein unglaublicher Fehler des Zaren gewesen, der einem "Alten Hasen" niemals unterlaufen wäre. Trotzdem hat der Sultan es geschafft, die zeitweilige Überlegenheit seiner Gegner durch miese Intrigen und fadenscheinigen Angeboten immer wieder zu spalten, so dass er nie eine geschlossene Front gegen sich hatte. Und das, liebe Unterlegenen, hättet ihr ihm nachmachen müssen! Man stelle sich mal vor, dass die eine russische Armee und die letzte französische Flotte keine erbitterten Gegner, sondern Kämpfer für die Entente Cordiale gewesen wären. Der Sultan hätte furchtbare Probleme bekommen, Italien kaum erobern können (es sei denn, dass sich der Commandatore beim Waffenputzen versehentlich selbst erschossen hätte) und wäre heute vom Endsieg so weit entfernt, wie die Türkei von einer EU-Vollmitgliedschaft.

Was lernen wir daraus? Armeen, Flotten und Gegner durch die Gegend schubsen ist nur ein kleiner Teil des Spiels, das nicht umsonst "Diplomacy" heißt...

Auf bald,
Napoleon IV.


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